Smarte Ziele | Eine Lösung für Ihr Ziel

14 Apr , 2015 Allgemein

Smarte Ziele | Eine Lösung für Ihr Ziel

Die Abkürzung SMART beschreibt Aspekte, die bei der Formulierung eines ergebnisbezogenen Ziels wichtig sind: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert. Basis ist die Zielsetzungstheorie von Locke und Latham. In diesem Blog-Beitrag erkläre ich die Grundidee und zeige auf, wo die Formulierung von Smarten Zielen hinderlich sein kann.

Zielsetzungstheorie

Die Zielsetzungstheorie der beiden Arbeitspsychologen Locke und Latham (1990) beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedingungen Menschen dabei unterstützen, Ziele zu erreichen. Sie schlagen vor, dass Ziele spezifisch formuliert sein müssen und hohe Anforderungen stellen sollen. Dadurch sollen die Erfolgsaussichten, das Ziel zu erreichen, gesteigert werden. Es geht also darum, die eigenen Ziele so zu formulieren, dass sich daraus klare und eindeutige Verhaltensweisen und Strategien ableiten lassen. Dafür hat sich die Abkürzung SMART etabliert. Jeder Buchstabe steht für einen Aspekt eines gut formulierten Zieles: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert.

  • Spezifisch: Ist das Ziel detailliert und genau formuliert?
  • Messbar: Wie lässt sich feststellen, ob das Ziel erreicht wurde?
  • Attraktiv: Ist das Ziel positiv formuliert, als ob es schon erreicht wäre?
  • Realistisch: Was ist notwendig, um das Ziel zu erreichen?
  • Terminiert: Bis wann soll das Ziel erreicht worden sein?

Eines der ersten Experimente, das die Zielsetzungstheorie untersucht, bestätigt: Ziele sollten spezifisch formuliert sein, und hohe Anforderungen stellen. Der Psychologe Gary P. Latham war als Berater für ein Holzunternehmen tätig. Seine Aufgabe war es, die Holzfäller zu motivieren, mehr Bäume zu fällen. Deshalb gab er den Arbeitern eine hohe, konkrete Zahl an Bäumen vor, die sie jeden Tag zu fällen hätten. Das Ergebnis ist eindeutig: Ein herausforderndes, konkret formuliertes Ziel führt zu besseren Leistungen, als ein einfaches, leicht zu erreichendes Ziel.

Spezifische und unspezifische Ziele

Die Motivation mit unspezifischen Sätzen wie „Gib dein Bestes!“ und „Du schaffst das schon!“ sind nicht geeignet, um andere und sich selbst zu hohen Leistungen anzuregen. Allerdings gilt die Wirksamkeit von herausfordernden und konkret formulierten Zielen nur für einfach strukturierte Aufgaben, die ein klares Ergebnis haben. Oft haben Sie es im Coaching aber mit komplexeren und dynamischeren Situationen zu tun, in denen sich nicht ohne weiteres eine eindeutige und klare Strategie benennen lässt. Wenn es kein bestimmtes Verhalten gibt, das zum Ziel führt, handelt es sich um ein komplexeres Ziel.

Das Ziel „Ich jogge dreimal in der Woche 10 km, um mich fit zu halten!“ ist ein spezifisches Ziel, aus dem sich ein eindeutiges Verhalten ergibt. Hier steigt die Chance, das Ziel zu erreichen, je klarer und spezifischer Sie das Ziel formulieren.

Das Ziel „Ich möchte eine gute Chefin sein, die ihre Mitarbeitenden fördert!“ führt zu vielen unterschiedlichen Handlungsstrategien. Dem einen Mitarbeiter muss eine gute Chefin Grenzen aufzeigen und Regeln festlegen, der andere Mitarbeiter braucht mehr Freiräume und herausfordernde Aufgaben. Bei komplexen Zielen können spezifische Formulierungen sogar hinderlich wirken, weil ein ständiges und flexibles Reagieren auf neue Anforderungen und Situationen so verhindert wird. Hier sollten Sie als Coach andere Methoden einsetzen, z.B. Motto-Ziele oder an der dahinter liegenden Werten arbeiten.

Coaching-Tool: Smarte Ziele

Auf Basis der Abkürzung SMART erarbeitet der Coach in diesem Coaching-Tool eine spezifische und konkrete Formulierung eines Ziels. Grundlage des Tools ist die Zielsetzungstheorie. Das Tool eignet sich für konkrete und ergebnisbezogene Ziele.

Sie sind zu zweit. Coach und Coachee. Der Coachee sucht sich ein Ziel aus, mit dem er arbeiten möchte. Der Coach achtet darauf, dass es sich um ein Ziel handelt, aus dem sich spezifische Strategien und Handlungsoptionen ergeben.

Der Coach unterstützt den Coachee dabei, das Ziel auf Basis der SMART-Kriterien zu formulieren. Dazu geht der Coach mit dem Coachee nacheinander die fünf Aspekte eines smarten Ziels durch.

Spezifisch

  • Was möchten Sie genau erreichen?
  • Warum ist das wichtig?
  • Welche Gründe gibt es dafür?
  • Was verändert sich, wenn Sie das Ziel erreicht haben?
  • Wie werden Sie das Ziel erreichen?
  • Wer ist beteiligt? Wen brauchen Sie dazu?

Messbar

  • Wie stellen Sie fest, dass Sie das Ziel erreicht haben?
  • Woran erkennen Sie, dass Ihr Ziel gefährdet ist?

Attraktiv

  • Ist das Ziel positiv formuliert, als ob es schon erreicht wäre?
  • Möchten Sie das Ziel unbedingt erreichen?
  • Welche Gefühle nehmen Sie wahr, wenn Sie an das Ziel denken?

Realistisch

  • Können Sie das Ziel aus eigener Kraft erreichen?
  • Was brauchen Sie noch, um das Ziel zu erreichen?
  • Ist das Ziel herausfordernd, aber realistisch?

Terminiert

  • Was sind die nächsten Schritte?
  • Wann haben Sie das Ziel erreicht?

Es ist hilfreich, das erarbeitete Ziel am Ende des Coachings zu schriftlich festzuhalten (z.B. auf einer Moderationskarte) und dem Coachee mitzugeben.

Das Coaching-Tool Smarte Ziele kann der Coachee auch selbst auf weitere Ziele anwenden. Machen Sie deshalb zum Abschluss Ihr Vorgehen transparent und erklären Sie dem Coachee die smarte Formulierung von Zielen, falls Sie das nicht bereits zu Beginn getan haben.

Ist das Ziel wirklich attraktiv?

Die Frage, ob das Ziel wirklich attraktiv ist, kommt oft zu kurz. Das ist besonders wichtig bei Zielen, in denen es darum geht, eine Angewohnheit zu ändern, oder etwas zu verhindern oder zu vermeiden. Das Ziel „Ich möchte mit dem Rauchen aufhören!“ ist für jemanden, der tatsächlich Nichtraucher werden möchte, auf den ersten Blick sicherlich attraktiv. Wahrscheinlich wird aber die Tatsache, sich mühsam von einer Angewohnheit trennen zu müssen, nicht unbedingt positive Gefühle auslösen. Damit das Ziel attraktiv wird, sollte also nicht die damit verbundene Anstrengung Teil des formulierten Ziels sein, sondern das positive Gefühl, es geschafft zu haben.

Der Coachee macht es sich unnötig schwer, wenn er den Ist-Zustand benennt, den er ändern möchten („Ich möchte es schaffen, nicht mehr so viele ungesunde Zigaretten zu rauchen!“). Erarbeiten Sie mit Ihrem Coachee stattdessen den positiven Ziel-Zustand, den der Coachee erreichen möchten, so als ob er ihn schon erreicht hätten („Ich bin gesund und atme frei.“ Oder „Ich spare 100 Euro im Monat und gönne mir einen Strandurlaub über Silvester.“)

Es geht hier nicht um sprachliche Spitzfindigkeit. Die Idee ist, dass positive Emotionen den Coachee dabei unterstützen, das Ziel in konkrete Handlungen umzusetzen. Dazu braucht der Coachee ein Bild im Kopf, das den Ziel-Zustand beschreibt, und nicht den Ist-Zustand, den er verändern möchte (Annäherungs- vs. Vermeidungsziele).

Hat der Coachee ein Bild vom Ziel im Kopf?

Das Coaching-Tool smarte Ziele arbeitet zunächst auf kognitiver Ebene und spricht das Kopfgehirn an. Es kann hilfreich sein, auch die anderen beiden Repräsentationsebenen (Bilder und Gefühl) aus dem ich.raum Coaching-Modell anzusprechen. Deshalb kann am Ende des Prozesse jeweils noch ein inneres Bild zum Ziel zu entwickeln („Stellen sie sich vor, Sie haben ihr Ziel bereits erreicht und schauen sich jetzt um. Was können sie wahrnehmen – sehen, hören, spüren?“) und die mit dem Ziel verbundenen somatischen Marker abzufragen. Sie können auch mit den inneren Bildern des Coachees in den Coaching-Prozess einsteigen. Dann stellen Sie bereits am Anfang die Frage, welches Bild der Coachee von sich selbst und seiner Umwelt im Kopf hat, wenn das Ziel erreicht ist. Das kann den Coachee dabei unterstützen, passende (und smarte) Formulierungen für sein Ziel zu finden.

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Quellen und weiterführende Literatur

Locke, E. A., & Latham, G. P. (2002). Building a practically useful theory of goal setting and task motivation: A 35-year odyssey. American Psychologist, 57(9), 705-717.


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