Systemische Aufstellungen im Coaching?

28 Apr , 2015 Allgemein

Systemische Aufstellungen im Coaching?

Bei systemischen Strukturaufstellungen wird die Struktur eines Systems mit Hilfe von anderen Personen im Raum dargestellt. Einzelne Personen repräsentieren dabei einzelne Teile des Systems, beispielsweise beteiligte Personen, aber auch abstrakte Element, wie z.B. Ziele oder Glaubenssätze. Dabei können sowohl externe Systeme aufgestellt werden, z.B. eine Familie oder ein Arbeitsteam, als auch innere Systeme, z.B. unterschiedliche Aspekte einer Entscheidung oder eines Problems.

Im (Business-)Coaching ist der Einsatz von Strukturaufstellungen nicht möglich und sinnvoll. Zum einen findet Coaching in der Regel in einem Einzel-Setting statt. Es stehen dann nicht genügend Personen zu Verfügung, um ein komplexes System darzustellen. Zum anderen erfordert die Arbeit mit systemischen Aufstellungen viel Erfahrung mit gruppendynamischen und therapeutischen Prozessen und eine fundierte Ausbildung.

Strukturaufstellung als Visualisierung

Für das Coaching lässt sich aber die Grundidee von systemischen Strukturaufstellungen adaptieren. Ziel ist, die Struktur eines Systems zu visualisieren. Das kann z.B. mit Bodenankern geschehen (z.B. beschriftete Moderationskarten). Dann kann der Coachee die unterschiedlichen Positionen im Raum bewusst einnehmen und das System aus unterschiedlichen Perspektiven “betrachten”. Eine weitere Methode ist die Visualisierung eines Systems auf einem Blatt Papier, am Flipchart oder mit Spielfiguren.

Der Einsatz von sogenannten Bodenankern und das Nutzen des Raumes verstärkt in der Regel die Wirkung von Inventionen mit Strukturaufstellungen. Das Bewegen im Raum unterstützt das Nachdenken (Embodied Cognition), erleichtert das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven und erlaubt einem, Emotionen assoziiert wahrzunehmen (bzw. sich bewusst zu dissoziieren.)

In der ich.raum Coaching-Ausbildung lernen die Teilnehmenden unterschiedliche Methoden kennen, die auf systemischen Strukturaufstellungen beruhen. Eine Methode ist das Tetralemma. Die Grundidee stelle ich ihnen in diesem Beitrag vor.

Tetralemma – Strukturaufstellung für Entscheidungen

Das Tetralemma ist eine systemische Strukturaufstellung, die von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelt wurde. Das Tetralemma basiert auf der indischen Philosophie, und wurde als logisches Schema insbesondere in der Rechtsprechung eingesetzt. Im Business-Coaching haben sich unterschiedliche Adaptionen entwickelt. Ich stelle Ihnen hier eine pragmatische und auf das Coaching im Einzelsetting angepasste Form vor. Das Tetralemma eignet sich, um in Bezug auf Entscheidungen den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern und neue Idee zu generieren, insbesondere wenn es um zwei Alternativen geht, die sich (zumindest auf den ersten Blick) gegenseitig ausschließen.

Das Tetralemma bietet sich an, wenn der Coachee sich nicht zwischen zwei Alternativen entscheiden kann. Insbesondere, wenn bereits beide Möglichkeiten ausführlich durchdacht und abgewogen wurden, kann das Tetralemma neue und überraschende Impulse geben. Dabei wird der Coachee gezielt angeregt, die Gefühlsebene (Bauchgehirn) und die mit den beiden Alternativen verknüpften Köpergefühle in die Entscheidungen mit einzubeziehen.

Das Bauchgehirn aus dem ich.raum Coaching-Modell integriert die Idee der somatischen Marker von Antonio Damasio. Die im emotionalen Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen, Bedürfnisse, Normen und Werte ermöglichen intuitive und unbewusste Entscheidungen. Die „Sprache“ des Bauchgehirns ist hier allerdings nur „ja“ oder „nein“. Damit wird es möglich wahrzunehmen, ob eine Entscheidung zu den eigenen Ziele, Werten und Beliefs passt. Da die Inhalte des Bauchgehirns Ihnen nicht direkt sprachlich zugänglich sind, nutzen Sie Bilder (Herzgehirn), um unbewusste Gedächtnisinhalte zu aktivieren.

Die vier Positionen im Tetralemma

Vier Entscheidungsmöglichkeiten, also Positionen, sind logisch möglich:

  1. Das Eine. Die Position beschreibt die Entscheidung für die erste Alternative. Die Alternative sollte klar und eindeutig beschrieben werden können und sich mit einer erlebten (oder vorgestellten) Situation verknüpfen lassen.
  2. Das Andere. Diese Position beschreibt die zweite Alternative. Auch diese Alternative sollte sich klar und eindeutig beschreiben lassen. Außerdem sollte es sich auch sprachlich um eine echte Alternative handeln, also nicht nur die Verneinung der ersten Alternative.
  3. Beide Alternativen gleichzeitig umzusetzen erscheint meistens auf den ersten Blick nicht möglich. Hier geht es deshalb zunächst darum, die Irritation zuzulassen. Wenn das Bauchgehirn diese Position positiv bewertet, kann im nächsten Schritt (in der Regel nach der Aufstellung), überlegt werden, wie sich beide Alternativen vereinbaren lassen.
  4. Keines von Beidem. Diese Position regt dazu an, eine ganz neue Lösung zu entwickeln. Wenn das Bauchgefühl diese Position positiv bewertet, kann das auch darauf hindeuten, dass sich der Coachee zum jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht entscheiden kann oder will.

Sparrer und von Kibéd fügen dem Tetralemma noch eine fünfte Position hinzu, die sie mit dem Satz “All dies nicht und selbst das nicht” beschreiben. Hier kommt die philosophische Grundhaltung zum Ausdruck, die hinter dem Tetralemma steht: Das Leben und die damit verbunden Entscheidungen werden als ein ständiger Kreislauf beschrieben. Das Ziel ist letztlich nicht, eine Entscheidung zu treffen, sondern sich persönlich weiterzuentwickeln. Da diese Haltung in den meisten Fällen nicht mit dem klaren Auftrag des Coachee zu vereinbaren ist, halte ich die fünfte Position in der ursprünglichen Form für nicht zielführend. Deshalb ist sie in der Form des Tetralemmas, das ich Ihnen unten vorstelle, etwas modifiziert. Hier taucht die fünfte Position als eine Meta-Position außerhalb der vier Positionen auf, die eine Betrachtung von außen ermöglicht. Hier wird es möglich, ganz neue, phantasievolle Lösungen zu denken.

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4 Responses

  1. […] Da etwas Hintergrundwissen zum Thema systemische Strukturaufstellungen notwendig ist, um mit dem Tool arbeiten zu können, empfehle ich Ihnen, vorher meinen Blog-Beitrag zu diesem Thema zu lesen unter:  http://coach.ichraum.de/systemische-aufstellungen-im-coaching […]

  2. Coaching-Tool Entscheidungen treffen - Coaching und Leadership sagt:

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