Das Steinzeitgehirn für die Verbesserung der Kommunikation nutzen – mit Körpersprache.

8 Mrz , 2016 Allgemein

Das Steinzeitgehirn für die Verbesserung der Kommunikation nutzen – mit Körpersprache.

Beim Telefonieren haben Menschen oft das Gefühl: Irgendwie klappt es nicht so gut wie im direkten Gespräch. Das Vermitteln der eigenen Gedanken fällt schwerer und oft müssen wir mehr reden als sonst. Gleichzeitig wissen wir auch weniger genau, wie wir die Gesprächspartner einschätzen sollen, und haben Probleme damit, Gedankengängen zu folgen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Der visuelle Kommunikationskanal fehlt. In solchen Situationen merken wir oft erst so richtig, wie wichtig diese Komponente bei Gesprächen ist. Einerseits gibt es die ganz offensichtlichen Aspekte wie Nicken, Kopfschütteln und Daumen hoch. Dann gibt es subtilere Zeichen wie Stirnrunzeln, ein Lächeln oder zusammengezogene Schultern. Vor allem die Anspannung von bestimmten Muskelpartien, Ausrichtung der Gliedmaßen, Haltung und Blickrichtung gehören dazu.

Für die meisten von uns geschehen diese subtilen Gesten unbewusst und können nur unter Konzentration kontrolliert werden. Trotzdem werden auch hierüber Informationen vermittelt:

Die nonverbale Kommunikation ist direkt mit unseren Emotionen verknüpft und sagt deshalb viel über diese aus. Wahrscheinlich fällt mir nicht auf, dass mein Gesprächspartner im Nackenbereich angespannt ist, trotzdem habe ich irgendwie den Eindruck, dass er sich unwohl fühlt. Vermutlich blicke ich auch nicht absichtlich immer knapp an meiner Chefin vorbei, während ich erzähle, warum ich nicht zum Meeting gekommen bin, trotzdem signalisiere ich ihr unbewusst, dass mit meiner Geschichte etwas nicht stimmt.

Vielleicht merken Sie an diesen kleinen Beispielen schon: Die eigene Kommunikationsfähigkeit profitiert davon, wenn man Körpersprache kontrollieren kann. Schauspieler und Politiker lernen daher gezielt, sehr genau auf nonverbale Kommunikation zu achten.

Warum es sich lohnt, nonverbale Kommunikation zu beherrschen

Es kommt leicht zu Widersprüchen zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Ihr Partner hat versehentlich wichtige Daten von Ihrem Laptop gelöscht. Verständlicherweise sind Sie wütend darüber und am liebsten würden Sie ihn in Grund und Boden schreien. Gleichzeitig wissen Sie aber auch, dass keine böse Absicht dahinter stand und dass ihr Partner nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Sie wollen deshalb freundlich aber bestimmt auf den Fehler hinweisen und so verhindern, dass etwas Ähnliches wieder geschieht. Ungeschickt nur, wenn Ihre ganze Körpersprache trotzdem signalisiert, wie wütend Sie eigentlich sind: Ihre Augenbrauen sind zusammengezogen, die Lippen sind zusammengepresst.

  • Wenn Sie die eigene Nonverbale Kommunikation verstehen und kontrollieren können, verhindern Sie eine widersprüchliche Außenwirkung und Verwirrung beim Gesprächspartner.

Wer seine Körpersprache beeinflussen kann, spielt nicht einfach nur etwas vor. Sie können auf diese Weise tatsächlich die eigenen Emotionen erkennen und beeinflussen. In unserem Beispiel wären Sie dann in der Lage, die eigene Wut zu erkennen und zu beeinflussen.

In den nächsten Abschnitten konzentriere ich mich auf die gerade genannte Vermeidung von Widersprüchen in der eigenen Kommunikation. Dennoch möchte ich Ihnen zwei weitere Vorteile, die sich durch die Beherrschung von nonverbaler Kommunikation ergeben, zumindest kurz nennen:

  • Kenntnisse über Nonverbale Kommunikation helfen natürlich auch dabei, die Körpersprache anderer Menschen zu interpretieren. Sie können so besser einschätzen, welche Emotionen hinter einer Aussage stecken und was andere Personen zu verheimlichen versuchen.
  • Nonverbale Kommunikation ist wie gesagt stark an Emotionen gekoppelt und kommuniziert dadurch Charaktereigenschaften einer Person. Schnelles Erröten beispielsweise weist auf eine eher schüchterne Person hin. Wenn man die eigene Körpersprache kontrolliert, kann man also auch bestimmte Charaktereigenschaften bewusst mitteilen oder unterdrücken. Viele Kommunikationsprofis nutzen diese Möglichkeit, um selbstbewusster zu wirken.

Der Konflikt zwischen zwei Gehirnen

Wenn Sie lernen, Ihre eigene Körpersprache wahrzunehmen und zu interpretieren, dann können Sie interne Konflikte zwischen Emotion und Verstand lösen. Um Ihnen zu zeigen, was ich damit meine, lade ich Sie zu einem Ausflug in Ihr Gehirn ein. Eine (vereinfachte, aber sehr nützliche) Unterscheidung ist für unsere Zwecke besonders wichtig:

Da ist zunächst Ihr Großhirn. Es ist für Prozesse wie Denken, Entscheiden und Planen zuständig. Das Großhirn geht Herausforderungen analytisch an. Probleme werden schon im Voraus erkannt und durchdacht. Ziele werden bewusst festgelegt und das erwünschte Ergebnis ins Auge gefasst. Entscheidungen im Großhirn entstehen langsam und unsere Emotionen werden hier nicht berücksichtigt.

Daneben gibt es das sogenannte limbische System mit angrenzenden Gehirnstrukturen. Ich nenne diesen Teil der Einfachheit halber Steinzeitgehirn. Das ist Ihr emotionales Gedächtnis. Hier sind alle Ihre Erfahrungen, Bedürfnisse, Normen und Werte gespeichert – und emotional markiert. Das Steinzeitgehirn hat eine enge Anbindung an die Sinneswahrnehmungen. Das führt dazu, dass z.B. ein Geruch oder ein Bild sehr schnell Erinnerungen und Emotionen hervorrufen kann.

Auch in komplexen Situationen kann das Steinzeitgehirn deutlich schneller als das Großhirn entscheiden, weil es auf dem unbewussten Erfahrungsschatz aufbaut, der Ihnen zur Verfügung steht. Auf Basis der bisherigen Erfahrungen entscheidet das Steinzeitgehirn, wie sich etwas anfühlt – so kommt Intuition zustande. Diese Rückmeldungen helfen beim Treffen von Entscheidungen, lösen aber auch körperliche Reaktionen aus, die sich zum Beispiel in der Körpersprache widerspiegeln.

Das Problem: Großhirn und Steinzeitgehirn verstehen sich nicht, sie sprechen nicht dieselbe Sprache. Das führt zu inneren Konflikten, zum Beispiel wenn wir wütend sind, obwohl wir rational betrachtet wissen, dass Wut in der Situation unangemessen ist. Um solche Konflikte zu überwinden, müssen wir eine Brücke zwischen Großhirn und Steinzeitgehirn schlagen.

Hier kommt Ihre Körpersprache ins Spiel. Mit ihr haben Sie Zugriff auf Ihre Intuition und Ihre Emotionen. Denn die Körpersprache wird normalerweise vom Steinzeitgehirn gesteuert und vom Großhirn unter anderem als Emotion interpretiert. Wenn Sie diese Brücke zwischen Großhirn und Steinzeitgehirn bewusst schlagen können, erreichen Sie das Ziel, das wir uns oben gesetzt haben:

  • Klar kommunizieren und Missverständnisse vermeiden, indem ich die eigenen Emotionen verstehe und beeinflusse.

Nonverbale Kommunikation gezielt beeinflussen

Jetzt kommen wir zum praktischen Teil. Wie können Sie die eigene Körpersprache interpretieren und beeinflussen, um so Ihre gesamte Kommunikation zu verbessern?

Wir werden in zwei Schritten vorgehen:

  1. Die eigene Körpersprache beobachten und interpretieren.
  2. Die eigene Körpersprache gezielt beeinflussen.

Für beide Schritte müssen Sie sich zum Üben in realistische Situationen hineinversetzen. Als Vorlage für solche Übungssituationen benutzen Sie am besten Situationen, in denen Sie tatsächlich waren und die starke Emotionen bei Ihnen auslösen. Sie können allein üben oder mit Freunden ein Rollenspiel daraus machen. Sie können sich sogar dabei filmen und danach ganz genau ansehen, wie Sie sich verhalten.

Tauchen Sie zunächst als Beobachter in eine solche Situation ein:

  1. Wählen Sie eine Situation aus Ihrer Vergangenheit. Es muss sich dabei um eine konkrete Situation handeln, zum Beispiel Der Streit mit meiner Mutter letztes Jahr an Weihnachten. Streitereien mit meiner Mutter wäre zu allgemein.
  2. Zuerst ist das Großhirn dran: Beschreiben Sie die erinnerte Situation mit Worten, sprechen Sie dabei ruhig zu sich selbst.
  3. Treten Sie nun bewusst in die Situation hinein. Machen Sie dazu tatsächlich einen Schritt nach vorne.
  4. Was nehmen Ihre Sinne in der Situation von damals wahr? Gehen Sie Sehen, Hören, Fühlen und sogar Riechen und Schmecken nacheinander durch.
  5. Lassen Sie Ihrem Steinzeitgehirn freien Lauf: Welche Gefühle haben Sie? Wo spüren Sie diese Gefühle? Im Gesicht? Wo genau im Gesicht? An Händen, Beinen, Rücken…? Wie ist Ihre Körperhaltung insgesamt?
  6. Nachdem Sie alle Details wahrgenommen haben, verlassen Sie die Situation wieder, indem Sie einen Schritt zurück machen.
  7. Reflektieren Sie noch einmal bewusst, welche Emotion Sie in der Übungssituation durch welche körpersprachlichen Merkmale ausgedrückt haben. Beispiel: Sie waren wütend und haben die Augenbrauen zusammengezogen.

Üben Sie dieses Eintauchen mit vielen verschiedenen Situationen. So legen Sie sich ihr persönliches ‚Lexikon der Körpersprache‘ an. Es ist sehr wichtig, dass Sie dabei auch positive und neutrale Situationen bzw. Emotionen abdecken. Die brauchen wir nämlich für den nächsten Punkt: Die Steuerung Ihrer Körpersprache (und damit auch Ihrer Emotionen).

Eine Emotion und deren körpersprachlichen Marker zu ‚löschen‘ ist ziemlich schwer. Viel leichter ist es, die Körpersprache einer anderen Emotion abzurufen und den alten Zustand damit zu ‚überschreiben‘.

Auch das können Sie wieder in den Übungssituationen ausprobieren. Nur sind Sie diesmal kein passiver Beobachter, sondern versuchen aktiv, Ihre Körpersprache zu ändern. Sie würden beispielsweise in der Situation Der Streit mit meiner Mutter letztes Jahr an Weihnachten versuchen, Ihre wütende Mimik durch die entspannte Mimik aus der Situation Spaziergang im Botanischen Garten zu ersetzen.

Mit der Zeit wird Ihnen das immer schneller und besser gelingen, sodass Sie auch im echten Leben und nicht nur in der Übung Ihre Körpersprache verändern können.

Umsetzung im Ernstfall

Sie streiten sich mit Ihrem Partner? Das ist eine Gelegenheit, das Gelernte in die Tat umzusetzen! Achten Sie auf Ihre Körpersprache und versuchen Sie herauszufinden, welche Emotionen Sie empfinden (Steinzeitgehirn) und in welchem Verhältnis diese zu Ihren logischen Gedanken (Großhirn) stehen. Sind Sie zum Beispiel wütend, obwohl Sie wissen, dass es unangemessen ist, so wie im Beispiel mit den gelöschten Laptopdaten?

Finden Sie diese Konflikte zwischen Emotionen, Gedanken und Handlung und versuchen Sie, die einzelnen Elemente zusammenzuführen und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auf diese Weise schlagen Sie bewusst die Brücke zwischen Großhirn und Steinzeitgehirn.

In unserem Laptopbeispiel könnten Sie Ihre wütende Körpersprache bewusst überschreiben, indem Sie sich eine entspannte Situation vor Augen rufen und so eine entspannte Körpersprache hervorrufen: Ihre zusammengezogenen Augenbrauen glätten sich und die zusammengepressten Lippen werden durch ein entspanntes Lächeln ersetzt. Das führt dazu, dass Sie sich tatsächlich entspannter und weniger wütend fühlen.

Alternativ können Sie den Konflikt auch thematisieren, wenn es Ihnen schwerfällt, Ihre Körpersprache zu kontrollieren. Jetzt, da sie wissen, wo das Kommunikationsproblem liegt, können Sie es einfach ansprechen: „Entschuldige, ich glaube ich schaue gerade ein bisschen grimmig. Rational gesehen weiß ich aber, dass du das nicht mit Absicht gemacht hast. Mach dir bitte keine Sorgen, ich bin nicht sauer auf dich!“

Sie werden merken: Probleme und Konflikte mit anderen Menschen lassen sich viel besser lösen, wenn Sie die eigenen, internen Konflikte zwischen Großhirn und Steinzeitgehirn beseitigen.

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