Coaching mit Systemvisualisierungen

11 Mrz , 2016 Allgemein,Coaching-Tool

Coaching mit Systemvisualisierungen

Systemvisualisierung machen Strukturen und Beziehungen in Systemen sichtbar. Sie laden dazu ein, Ressourcen wahrzunehmen und über Veränderungen nachzudenken. Im Coaching helfen Systemvisualisierungen bei der fokussierten und lösungsorientierten Arbeit.

Systemische Strukturaufstellung

Eine Systemvisualisierung ist eine Methode, die dem Bereich der systemischen Strukturaufstellung zugeordnet werden kann. Sie hilft dabei, komplexe Systeme (z.B. die Struktur eines Teams, einer Organisation oder einer Familie) zu visualisieren und im nächsten Schritt Veränderungen zu erleben.

Dabei wird keine vorgegeben Struktur verwendet. Der Coachee nutzt die zur Verfügung stehenden Materialien, um das für die Fragestellung relevante System zu visualisieren. Zunächst geht es deshalb um die beteiligten Personen (z.B. Mitarbeitende, Familienmitglieder, KollegInnen). Im nächsten Schritt können weitere Aspekte (z.B. Eigenschaften, Fragen, Probleme, Emotionen, Beliefs) dargestellt werden.

Bei dem Einsatz von Systemvisualisierungen handelt es sich um eine sehr offene Methode, die zunächst zur Klärung eines Anliegens und zum Verstehen eines Systems beiträgt. Das absichtslose Arbeiten an und in einem System und das Wahrnehmen von Ressourcen und Möglichkeiten, sowie von Werten, Zielen und Beliefs (und den damit verbundenen Emotionen) stehen im Mittelpunkt.

Das setzt eine systemische Grundhaltung von Coach und Coachee voraus. Der Coach versteht den Coachee als Experten oder Expertin für das eigene Anliegen, und als Begleiter des Prozesses. Das Ziel der Visualisierung ist nicht in erster Linie, den Grund, die Ursache oder die Verantwortlichkeit für ein Problem oder Anliegen zu identifizieren, sondern auf Basis der Wahrnehmung und des Erlebens des Coachee Ressourcen und Möglichkeiten für Veränderungen zu entdecken.

Materialien für die Systemvisualisierungen

Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter, die unterstützende Werkzeuge für die Systemvisualisierung entwickelt haben, z.B. die Coaching-Disk®, das Familienbrett, das Systembrett oder das blu-board®. Die konkrete Gestaltung unterscheidet sich. Manche Anbieter nutzen abstrakte Formen (z.B. Kreise und Vierecke in unterschiedlichen Farben), um bei der Visualisierung viele Möglichkeiten offen zu lassen. Das scheint mir insbesondere im Business-Kontext passender zu sein. Im therapeutischen Bereich oder im Bereich der Beratung finden sich auch Anbieter, die mit Spielfiguren (z.T. mit der Unterscheidung Kind oder Erwachsenen, männlich oder weiblich), „Strichmännchen“ oder Tieren arbeiten. Sie können auch mit Knöpfen, Glassteinen oder Schachfiguren arbeiten. Als Alternative können Sie auch beschriftete Moderationskarten zur Visualisierung nutzen.

Grundregeln für die Arbeit mit Systemvisualisierungen

Auch für das Coaching mit Systemvisualisierungen gelten einige Grundregeln, die ich folgenden formuliert habe.

    • Der Coach begleitet den Coachee durch den Prozess. Dabei ist er wertschätzend und unvoreingenommen, er greift nicht provozierend, oder verändernd ein.
    • Der Coach trifft keine Zuschreibungen, er bewertet und interpretiert die Visualisierung nicht, sondern stellt Fragen.
    • Die Arbeit mit Systemvisualisierungen ist keine diagnostische Methode, mit der ein Coach etwas über den Coachee „herauskriegen“ kann.
    • Die Arbeit mit Systemvisualisierungen ist kein Organigramm oder eine objektive Beschreibung einer Organisation (oder eines anderen Systems). Es gibt kein richtig oder falsch.
    • Der Fokus liegt auf der Lösung. Der Coachee kann durch Veränderungen am visualisierten System Ideen und Lösungsmöglichkeiten ausprobieren und durchspielen. Der Coach greift nicht in die Visualisierung ein, verändert also z.B. keine Steine oder verschiebt Figuren.

Akzeptieren Sie als Coach die Grenzen, die sich aus dem Auftrag des Coachee, ergeben und nutzen Sie systemische Visualisierungen nicht als verdeckte therapeutische Intervention.


1 Response

  1. Peter sagt:

    Ganz schöne Aufstellungsfiguren für Einsteiger gibt es auch im carl auer Verlag (www.carl-auer.de), diese sind aus Kunststoff und werden in einem Koffer geliefert. Ich selbst nutze gerne Holzfiguren, die ich zum Teil selbst hergestellt habe. Zum Beispiel aus dem Buchenhandlauf einer Treppe. Verschiedentlich abgelängt und mit heißem Olivenöl eingeölt eignen sich diese auch für die Arbeit auf dem Boden und haben eine sehr angenehme Haptik.

    Schöne Grüße, Peter Reitz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.